Mein letzter Eintrag ist jetzt schon gut einen Monat her, daher werde ich nun versuchen, all das zusammenzufassen, was bis dahin geschah:
Im Kindergarten hast Du Dich gut eingelebt. Anfangs hast Du immer noch geweint, wenn wir Dich morgens dort ablieferten. Es zerbrach uns das Herz, Dich so zurücklassen zu müssen. Mittlerweile setze ich Dich entweder mit an den Frühstückstisch oder eine der Erzieherinnen nimmt Dich in ihre Arme. Dort ist die Welt für Dich in Ordnung.
Dein Vater war bereits zu seinem ersten Elternsprechabend. Wie Männer nun mal so sind, bin ich nicht wirklich gewahr geworden, was dort besprochen wurden. Es gab zwar ein Protokoll, was hinterher per Mail verteilt wurde, aber da fehlte auch die Hälfte, was ich später herausfand.
Im Kindergarten gibt es einen festen Rythmus: gegen halb neun versammeln sich alle zum Frühstück. Jeder bringt sein Frühstück von zuhause mit, lauwarme Milch gibt es dazu vom Kindergarten. Dann sitzt ihr alle auf Euren Stühlchen an dem großen niedrigen Kindertisch, mümmelt Euer Frühstück und werft neidische Blicke auf das Frühstück des anderen. Nicht selten landet das Frühstück des einen auch im Mund des anderen. Daher gebe ich Dir immer etwas mehr mit. Dein Frühstück besteht meist aus Vollkorntoast mit Frischkäse, Leberwurst oder einem vegetarischen Aufstrich (Gurke-Paprika-Paste oder Tomaten-Basilikum-Creme) Obst und Joghurt oder Fruchtzwerg. Nach dem Früstück gehts zum Händewaschen und Wickeln. Danach ist Spielzeit. Die Erzieherinnen geben Euch Anreize zum Spielen und singen Euch was vor. Um halb zwölf gibt es Mittagessen: Fischstäbchen mit Kartoffelpüree, Spaghetti Carbonara, Reisrisotto mit Champignons, Nudeln in Tomatensauce oder Brühreis… um nur ein paar von den Gerichten zu nennen. Und immer gibt es auch Nachtisch: entweder ein Stück Gemüse oder Obst, aber auch Wackelpeter, Vanillepudding oder sogar Eis. Im Anschluß trinkt jeder Wasser aus seinem roten Plastikbecher. Nicht selten wird daraus eine Sauerei/Manscherei. Danach geht es wieder zum Händewaschen und Wickeln und ab ins Bett zum Mittagsschlaf. Ihr schlaft oft bis zu zwei Stunden, dann werdet ihr wieder gewickelt. Nachmittags gibt es noch einen kleinen Imbiss: Zwieback oder Obst und Tee oder andere Leckereien. Kurz vor fünf hole ich Dich wieder ab. Du bist meist einer der letzten, denn viele der anderen Mütter arbeiten Teilzeit und holen ihre Kinder früher ab.
Es gibt vier feste Betreuerinnen für Euch: Susanne steht der Gruppe vor und zählt zusammen mit Annette zu den älteren. Ich schätze beide auf über 45. Andrea und Constanze sind wohl jünger als ich und unter 30. Alle vier sind sehr nett und gehen äußerst liebevoll mit Euch um: Sie spielen mit Euch, trösten Euch, tragen Euch, knuddeln und kuscheln mit Euch. Ich weiss Dich dort sehr gut aufgehoben, und das macht es für mich leichter zu arbeiten und Dich nicht bei mir zu haben.
Folgende Kinder kann ich beim Namen nennen: Robin, der schon seit seiner 7. Lebenswoche im Kindergarten ist, da seine Mutter alleinerziehend ist. Jelle Rinse ist Schwede, ein Blondschopf, der schon mit zu den älteren gehört. Genau wie Tony, der ebenfalls blond ist mit seinem verschmitzten Lachen. Die dunkelhaarige Cordula, deren Eltern bald nach Hamburg ziehen werden. Zwei Lenas, die eine blond, die andere dunkelhaarig mit Locken und kleinen Eltern. Alexis Eltern sind deutschstammige Mexikaner. Andys Eltern sind hochgewachsene Chinesen aus Indonesien. Corinna hat die meisten Haare von Euch allen, ihr Vater ist ein kleiner Indonesier und die Mutter Deutsche. Jaris, der im Frühstücksraum immer am kleineren runden Tisch sitzen will, auch wenn er der einzige ist. Pascal, der blonde Wonneproppen mit seinen klaren blauen Augen, der immer lustig ist und sich lautstart beschwert, wenn ihm sein Frühstück nicht schmeckt. Nicolas, der bis vor kurzem von seiner Mutter voll gestillt wurde. Und Carla, die nicht Clara heisst, mit roten Löckchen und trotz ihrer 11 Monate noch keine Zähne hat, aber tapfer auf ihrem Vollkornbrot herumkaut, bis es genug eingespeichelt ist, um es herunterschlucken zu können. Milan hat zusammen mit Andy zwei Wochen vor Dir im Kindergarten angefangen und schöne braune Augen. Dann gibt es noch einen Julian, der immer erst um elf von seiner Mutter gebracht und bereits am frühen Nachmittag von seinen Großeltern abgeholt wird und den ich noch nie zu Gesicht bekommen habe.
Zum Mittagsschlaf werdet ihr ausgezogen und bekommt bequeme T-Shirts an, die wir Eltern für Euch bemalt haben. Das war Susannes Idee und so trafen sich ein paar Eltern an einem Nachmittag um vier: Der Vater von Andy, die Mutter von Cordula und die Mutter von Julian (daher weiss ich überhaupt, das es ihn gibt). Dein Vater hatte leider vergessen zu erwähnen, dass ich ein T-Shirt mitbringen muss, im Protokoll hatte es auch nicht gestanden, aber glücklicherweise hatte Susanne noch eins in Reserve. Das ist zwar viel zu groß für Dich, da Grösse 128 (z.Zt. hast Du gerade mal 74 - 80), aber zumindest frierst Du nicht an den Beinchen. Ich habe bunte Blumen in knalligen, fluoriskierenden Farben mit einer Sonne auf der rechten und einer Wolke auf der linken Schulter gemalt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Mit dem Kindergarten kamen Euch die ersten Krankheiten: Alles begann mit Schnupfen. Die Nase lief und lief und Du hast Dir den Schnotter in die Augen gerieben, bis daraus eine Bindehautentzündung entstand. Da diese hoch ansteckend ist, blieb ich mit Dir zwei Tage zuhause. Nach der Bindehautentzündung lief die Nase immer noch und verstopfte die Gehörgänge. Eine Mittelohrentzündung folgte. Du bekammst Antibiotika und ich blieb mit Dir zuhause. Gott sei Dank schienst Du keine Schmerzen zu haben, dennn Du hast nicht geweint und warst munter und fröhlich wie eh und je. Ab und an bekommst Du Fieber. Ab 38,5 schickt Dich der Kindergarten nach Hause und ich brauche ein ärztliches Attest, bevor ich Dich dort wieder abgeben kann.
Dein Vater und ich haben uns vorgenommen, an den Wochenende immer gemeinsam etwas zu unternehmen. Wir gehen mit Dir spazieren, zum Markt oder zum Potsdamer Platz. Im Zoo waren wir auch schon und Du hast die ersten Bekanntschaften mit Elefanten, Affen und den Streicheltieren gemacht.
Wenn wir mit dem Kinderwagen unterwegs sind, sitzt Du stolz mit geradem Rücken und hälst Dich am Bügel fest. Ab und an winkst Du den vorbeilaufenden Passanten zu. Natürlich willst Du nach einiger Zeit nicht mehr im Kinderwagen sitzen, sondern getragen werden. Du wiegst jetzt knappe 10 Kilo und hast in den letzten Monaten so gut wie nicht mehr zugenommen.
Immer häufiger willst Du jetzt an einer Hand alleine laufen. Deine Tante Any hat damit angefangen und wir trainieren jeden Tag. Ich finde für Deine 10 1/2 Monaten läufst Du schon recht sicher.